MÜNCHEN, MAI 2019

Zuschlag bei 98.000 Euro für das Schlüsselgerät 41 - die bessere, die unknackbare ENIGMA und „Wunderwaffe“ ohne Wirkung - in der Auktion 79 der Hermann Historica GmbH

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Kaum veröffentlicht, zeigte sich weltweit größtes Interesse an dem Highlight der Auktion 79 einem Schlüsselgerät 41. So selten, dass sich selbst die namhaftesten Wissenschafts- und Technikmuseen der Welt über den Besitz eines stark korridierten Bodenfunds glücklich schätzen, war das mit Losnummer 4401 angebotene Gerät mit einer Taxe von 75.000 Euro, in bestem Zustand und funktionsfähig, ein absolutes Glanzstück. Aktuell existiert nur mehr eine Handvoll funktionsfähiger Maschinen, die wegen ihres Kurbelantriebs auch ‚Hitler-Mühle‘ genannt wurden.

Völlig unbeschädigt konnte das vorliegende Exemplar des ab 1941 entwickelten Chiffriergeräts von dem international anerkannten Spezialisten für Verschlüsselungsgeräte und Ingenieur für Nachrichtentechnik, Klaus Kopacz (71), Stuttgart, im Auktionshaus fachmännisch geöffnet, überprüft und auch in Gang gesetzt werden. Ganz gemäß der zugedachten Funktion wurde ein Text chiffriert und dechiffriert, wobei der Originaltext auf dem einen, die Chiffre auf dem anderen der zwei Papierstreifen ausgedruckt wurde.


So wunderte dann auch nicht, dass sich die Gebote bereits im Vorfeld der Auktion überschlugen und am 24.05., dem Tag der Versteigerung, Interessierte an den Telefonen und im Internet mit einer Vielzahl von Bietschritten den Preis in die Höhe trieben. All dies vor den anwesenden Kunden im vollbesetzten, vor Spannung flirrenden Saal - bis bei erfreulichen 98.000 Euro um 13:50 Uhr der Hammer fiel.

 

Das Schlüsselgerät 41

Wer weiß, führt, und wer früh mehr weiß, gewinnt. Dieser Prämisse folgend, hatte der englische Geheimdienst die herausragendsten Analytiker seines Landes, Menschen unterschiedlichster Profession, in Bletchley Park konzentriert, um die Entschlüsselung der feindlichen Chiffriergeräte voranzutreiben. Während sich die Wehrmachtsführung, mit Ausnahme weniger Mahner, noch in der Sicherheit wog, die legendäre Schlüsselmaschine „Enigma“ sei unknackbar, hatten die englischen Krypto-Experten um den Mathematiker Alan Turing deren Funktionsweise schon im Frühjahr 1940 grundsätzlich entschlüsselt und konnten chiffrierte Meldungen ab 1941 im Handumdrehen in Klartext verwandeln.

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Erst um diese Zeit erhielten die Wanderer Werke in Chemnitz den Auftrag zur Entwicklung einer neuen, verbesserten Maschine. Unter maßgeblicher Mitarbeit des Kryptologen Fritz Menzer (1908 – 2005) wurde nun das rein mechanische Schlüsselgerät 41 in Orientierung an dem vom schwedischen Kryptologen Boris Hagelin (1882 – 1983) entwickelten Grundprinzip mit starken Modifikationen konstruiert. Der Name des Gerätes resultierte aus dem Jahr des Entwicklungsbeginns. Anders als die „Enigma“ ohne Buchstabenlampen, aber dafür mit zwei Papierstreifen arbeitend, musste für einen Chiffriervorgang die Trommel mit der beiliegenden Kurbel um 360 Grad gedreht werden. Damit wurden sechs statt bisher drei Schlüsselräder unterschiedlicher Größe höchst unregelmäßig weiter-, manchmal sogar rückwärts bewegt. Darüber hinaus beeinflusste die jeweilige Position eines Rades die Bewegung der anderen. Der Empfänger musste die Ausgangsposition der Räder identisch einstellen und den chiffrierten Text eingeben. Die Ausgabe erfolgte parallel auf zwei Papierstreifen, Klartext und verschlüsselter Text. Von den 11.000 bestellten Geräten wurden ab Oktober 1944 lediglich rund 500 an die Abwehr, den militärischen Nachrichtendienst, und etwa 1.000 an den Wetterdienst ausgeliefert. Letzterer erhielt allerdings die Version SG-41Z, die anstatt der Buchstabentasten lediglich über Zifferntasten verfügte. Mit über 13 Kilogramm wurde das SG-41 als zu schwer für den Fronteinsatz klassifiziert.

Selbst die Experten in England scheiterten bis zum Kriegsende an der Rekonstruktion und somit der Entschlüsselung des SG-41. Respektvoll wurde das Schlüsselgerät daher von den Alliierten als „remarkable machine“ bezeichnet. Nach Einschätzung des Kryptologie-Experten Klaus Kopacz hätte der frühzeitige Einsatz der neuen Chiffriertechnik den 2. Weltkrieg wohl um ca. zwei Jahre verlängert, dessen Ausgang aber wohl kaum beeinflusst.

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Beschreibung

Seriennummer 000352, Herstellerkennung "cxo" (Wandererwerke), Baujahr 1944. Typenschild mit Bezeichnung "Schl. Ger. 41 / 000352 cxo 44". Blaugrünes Stahlgehäuse, 26 Tasten, aufklappbarer Dokumentenhalter mit gefederter Halterung für die zu übermittelnde Nachricht. Seitlich einklappbare Kurbel (daher die Bezeichnung "Hitlermühle") mit der zweimal eingeschlagenen Nummer 21. Ausziehbarer Tragegriff mit Klemmhalterung. Vorne federverriegelte Klappe zum Einlegen der Papierrollen in eine ausziehbare Halterung. Zwei Papierrollen (Originalität nicht gesichert) für die Ausgabe von Klartext und verschlüsseltem Text noch vorhanden. An Handgriff herausnehmbare Tintenrolleneinheit zum Einfärben der Papierstreifen, beschriftet "1" und "2". Rändelrad links mit zwei Stellungen, beschriftet mit gelb eingelegten Buchstaben "V" und "E". Rändelrad rechts mit zwei Stellungen, beschriftet mit gelb eingelegtem "F" und rot eingelegtem "L". Der linke Hebel mit der Beschriftung "Papier" lose. Die Bodenplatte bestoßen, auf der Unterseite mit kleineren Beschädigungen und Farbabplatzungen, geringe Ansätze von Flugrost. Montiert zwei hölzerne Stellleisten, die rechte gestempelt mit Adler/HK über WaA69 (= C. Verberne Berlin/Neukölln 1936, Hersteller von u.a. Vermittlungskästen). Die beiden rückseitigen Schräubchen zum Befestigen des Gehäusedeckels fehlen, ebenso der Transportschutzdeckel. Abmessungen 27 x 31 x 17 cm (BxTxH), Gewicht 10,8 kg. Das Gerät scheint völlig intakt und funktionsfähig zu sein und ist insgesamt hervorragend erhalten.

In den letzten Jahren ist kein auch nur annähernd gut erhaltenes Schlüsselgerät 41 auf den Markt gekommen.

Zustand: II +

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