Los 4160
Kürassier-Leib-Standarte mit Fahnenspitze, -stange und -quasten aus der Regierungszeit Kaiser Leopolds I. von Österreich, 1658 - 1705
Orden und Militaria bis 1918 | A94m | Präsenzauktion | 544 Lose
Beschreibung
Der Überlieferung nach im Spanischen Erbfolgekrieg während des Gefechts bei Schardenberg und Eisenbirn am 11. März 1703 durch kurbayrische Truppen vom österreichischen Kürassierregiment "Jung-Hannover" erbeutet. Zu etwa 40 % einseitig erhaltenes Standartentuch aus weißem, geblümtem Seidendamast, restauratorisch in den 1960er Jahren auf lachsfarbenem Seidentuch montiert. Zudem in erhabener Silber- und Goldstickerei (altersbedingt gedunkelt) erhalten die Chiffre "L" unter der Kaiserkrone und zwischen geteilter Datierung "(1)6 - 77" über der Krone die Devise "Pro Deo et Caesare". Zwei der en suite gefertigten vier Eck-Palmetten (links oben und rechts unten) ebenfalls erhalten. Maße des lachsfarbenen Seidentuchs ca. 52 x 50 cm, ursprüngliche Maße des Standartentuchs ca. 50 x 48 cm. Unter schützendem Seidengaze. Die Fahnenspitze aus Eisen, das Blatt mit durchbrochenem Doppeladler, konische Tülle. Gesamthöhe 23 cm. Die Fahnenstange aus Fichtenholz mit überwiegend erhaltener grauer Farbfassung, in der Form an eine ritterliche Turnierlanze angelehnt mit kleiner Handhabe im unteren Viertel, achtfacher Kehlung, seitlicher eiserner Reitstange mit Ösen sowie vier eisernen Schaftfedern. Die Nägel der Federn sowie die Tülle mit floral gepunzten Köpfen, die Schrauben der Reitstange mit bombierten Köpfen. Gesamtlänge mit Standartenspitze 252,5 cm. Um die Tülle der Spitze gewickelte, wohl ehemals schwarz-gelbe Kordel mit zwei Quastenabschlüssen, die Fransen einer Quaste nur noch teilweise erhalten. Von allergrößter Seltenheit. Vgl. Peter Jaeckel, Kaiserliche Standarten in Ingolstadt, in Militaria Austriaca, Band 4 der Gesellschaft für österreichische Heereskunde, 1983. Darin werden neben dieser Standarte vier weitere im Bestand des Armeemuseums in Ingolstadt beschrieben, dort befinden sich eine weitere Leibstandarte mit weißem Tuch und drei Ordinärstandarten mit rotem Tuch. Allen fünf Standarten gemein ist, dass vom Standartentuch jeweils nur eine Seite vorhanden ist. Jaeckels Vermutung ist, dass die Doppeladler- bzw. Madonnenseiten der Standarten ab 1705 durch das von Österreich besetzte und durch den Krieg finanziell geschwächte Bayern aus Kostengründen für neu anzufertigende Standarten verwendet wurden, wohingegen die Seiten mit der Chiffre Kaiser Leopolds I. nach dessen Tod 1705 unbrauchbar wurden.Provenienz: Wie auch die vier Standarten im Bayerischen Armeemuseum in Ingolstadt stammt diese Leibstandarte höchstwahrscheinlich aus dem Gefecht bei Schardenberg und Eisenbirn am 11. März 1703, als Truppen des bayrischen Kurfürsten Maximilian Emanuel das Corps des österreichischen FML Leopold Schlick angriffen und bezwangen. Das einzige Kürassierregiment auf österreichischer Seite war dabei das 1663 als "Garnier-Cürassiere" gegründete Regiment, das ab 1697 Cürassier-Regiment "Jung-Hannover" hieß.
Zustand: II - III Fragen zum Los?