Los 1044
Verzierter Thorshammer an massiver Fuchschwanzkette aus Silber, wikingisch, 10. Jhdt.
Kunst, Antiquitäten & Antiken | A109kua | Präsenzauktion | 1190 Lose
Beschreibung
Massive, 7 Millimeter breite, komplex gearbeitete Fuchsschwanzkette aus ineinander gehängten Drahtösen von ca. 43 cm Länge, deren Enden etwa auf eine Strecke von 2 cm in konisch sich verjüngenden Hülsen aus sich überlappendem Silberblech stecken und dort mit einem Stift befestigt sind, der auf beiden Seiten der Durchbohrung in einem flach geklopften Kopf endet. Die Hülsen sind mit Punzen aus S-Spiralen, vertieften Dreiecken mit drei erhabenen Punkten darin und Kreisaugen verziert. Aus den Enden der Hülsen ragt je eine Öse aus umgebogenem, profiliertem Blechband hervor, in die jeweils ein geschlossener Ring mit verschmiedeten Enden eingelassen ist. Diese beiden Ringe durch einen Ring aus mit einander verzwirnten Silberdrähten verbunden, dessen rückwärts gebogene Enden ineinander verhakt sind und sich dahinter in dreifach gewundenen Spiralen um den Ring legen. In diesen „verknoteten" Ring eingehängt ein Thorshammer: Dieser aus drei ineinander verzwirnten Drähten bestehend, die am Stiel noch gut erkennbar sind. Ein Draht ist länger als die anderen und oben in zwei Spiralwindungen zurückgebogen, das Ende in zweieinhalb Windungen um das Oberteil des Stiels gewickelt. Der untere Teil flach ausgehämmert und verschmiedet, zur Gestalt des eines gleichschenkligen Dreiecks mit abgestumpften Ecken. Auf der Rückseite flach, die Vorderseite mit Dreieckspunzen am Rand (vertieft, darin drei erhabene Punkte) und einem unten spitz ausgezogenem Gesicht. Am Rand von linienförmigen Punzen umgeben, die wie ein Strahlenkranz wirken. Die Augen mit Kreispunzen markiert, die Nase mit einer winkligen Punze. Das vermehrte Auftauchen von Thorshämmern in Grabinventaren und Schatzfunden des 10. Jahrhunderts wird einerseits als konservative Reaktion auf die Christianisierung gedeutet. Andererseits wird sogar eine christliche Interpretation in Erwägung gezogen, was einige Thorshämmer mit sicher zweideutiger Symbolik nahelegen. Vor diesem Hintergrund könnte das zentrale Gesicht auch als Antlitz des Erlösers gedeutet werden, auch wenn es auf dem Kopf eines Thorshammers platziert ist. Ausgesprochen eindrucksvolles Schmuckstück aus einer Zeit des Umbruchs im nordgermanischen Kulturkreis, die das Auslaufen der Wikingerzeit und den Übergang in christliche Monarchien markiert. KULTURGUT! Provenienz: Süddeutsche Privatsammlung, übernommen in den späten 90er Jahren aus der Sammlung des Vaters.Zustand: I - Fragen zum Los?