Los 895
Seltene reiternomadische Gürtelplakette aus dem Ordosgebiet mit zwei Ringern, flankiert von Pferden, Mongolei, 2. - 1. Jhdt. v. Chr.
Kunst, Antiquitäten & Antiken | A109kua | Präsenzauktion | 1190 Lose
Beschreibung
An den Seiten der Plakette zwei nach innen gerichtete, aufgezäumte Pferde mit Sattel und reich geschmückter Schirrung, die vor Bäumen stehen, deren Zweige und Blätter sich hinter Pferden zum oberen Rand hin ausbreiten und in der Mitte zusammenstoßen. Zwischen den beiden Pferden zwei ineinander verschlungene Ringer. Der links stehende, glatt rasierte Mann hat den Oberkörper bei noch leicht gestreckten Beinen nach rechts unten gebeugt. Von rechts her greift ein zweiter Ringer mit langen Haaren und Bart im tiefen Kniestand mit nach hinten ausgestrecktem rechten Bein den linken Ringer von schräg unten her an. Mit seiner Linken greift er an den rechten Oberschenkel seines Kontrahenten, mit der Rechten umschließt er dessen Oberkörper und greift von links her auf dessen rechte Hüfte. Der linke Kämpfer packt mit seiner Rechten unter dem Oberarm seines Angreifers dessen linke Hüfte und von unten her durch dessen Beine hindurch auf Unterseite und Flanke des linken Oberschenkels. Die aneinander gereihten Hufe der Pferde und die Füße der Ringer gliedern rhythmisch den unteren Rand der Plakette, was ein Pendant in der Aneinanderreihung von Blättern am oberen Rand der Plakette findet. Die ausgewogene Komposition stellt ein Meisterwerk steppennomadischer Kleinplastik aus den letzten Jahrhunderten vor der Zeitenwende dar. Zugleich ist der Beschlag ein Vertreter eines Bildtypus, der in völlig gleicher Komposition bei feinen Unterschieden in Qualität und stilistischer Umsetzung auf einzelnen Beschlägen in führenden Museen der Welt als Prunkstücke steppennomadischer Kunst ausgestellt wird (z. B. im British Museum, dem Ethnologischen Museum zu Berlin, dem Shanghai Museum und dem Museum des Archäologischen Instituts in Ulan Bator). Ein typgleiches Exemplar mit Variationen im Detail wurde 2019 bei Sotheby's (Arts of Ancient China II, Los 216) für 12500 US $ zugeschlagen. Dieser Plakettentyp steht mit Fundplätzen aus dem Herrschaftsbereich der in den chinesischen Quellen erwähnten Xiongnu in Verbindung. Bereits der erste Kaiser Qin Shihuangdi führte Offensiven gegen diesen Stammesverband, die sich in die Zeit der Han-Dynastie fortsetzten. Der russische Forscher Grjasnov brachte die Szene mit Episoden aus Heldenepen moderner Turkvölker Mittelasiens in Verbindung, deren Ursprünge er bis in das 8. Jhdt. v. Christus zurückverfolgen zu können glaubte. Noch heute zählen Ringkämpfe zu den drei Disziplinen, in denen sich ein Mann auszeichnen sollte: Reiten, Bogenschießen und Ringen. Die Plakette darf somit ikonisch für die Wertbegriffe eurasiatischer Steppennomaden stehen. Partiell minimaler antiker Abrieb, darüber schöne grüne Patina mit bläulichen Flecken. Die Rückseite materialsparend hohl gearbeitet. Intakt. 11,2 cm x 5,9 cm. Abnehmbar montiert auf repräsentativem Plexiglassockel. KULTURGUT! Provenienz: Deutsche Privatsammlung, Erworben 2021 im britischen Kunsthandel.Zustand: I - Fragen zum Los?