Los 976
Leuchter aus Messing in Gestalt eines Soldaten mit vielteiligem Gürtel, frühbyzantinisch, fortgeschrittenes 6. Jhdt. bis 7. Jhdt n. Chr.
Kunst, Antiquitäten & Antiken | A109kua | Präsenzauktion | 1190 Lose
Beschreibung
Drei stilisierte, nach außen gerichtete und nach unten durchgebogenen Delphine als "Füßchen" tragen eine sich nach oben leicht konisch verjüngende, hohle trommelförmige Basis mit floralem Dekor. Die Trommel unten mit einem ausladenden, breiten und leicht abgeschrägtem Rand versehen. Auf diesem Rand oben eingraviert ein "lesbisches Kyma" aus aneinander gereihten, zungenförmigen Blattmotiven, die Rundung nach außen gerichtet. Auf der Trommel ringsum sechs Palmetten mit Binnengliederung durch geschwungene Rippen. Die Palmetten unten im halbkreisförmigen Bogen verbunden, darüber je eine Durchbohrung. Die Palmetten verbreitern sich im oberen Teil seitlich und schwingen zur Spitze ein, in der auch die Mittelrippe jeder Palmette endet. Oben zwischen den Palmettenspitzen ovale Blätter mit Mittelgrat, die über den sich berührenden, ausschwingenden Seiten der Palmetten hervorragen. Die Trommel oben durch eine kräftige, überkragende glatte Platte abgeschlossen. In der Mitte dieser Platte ein niedriger Konus, auf dem ein Soldat steht, in Tunika und Beinkleidern, die in halbhohen Stiefeln stecken. Kleidung und Frisur gleichen den Darstellungen von "Gardesoldaten", wie man sie aus diversen Bildwerken frühbyzantinischer Kunst, u. a. Mosaiken in Ravenna kennt. Die Haartracht ein typischer "Pagenschnitt" mit Pony und seitlich tiefliegendem Topfsschnitt. Die Tunika reich verziert: durch eine breite, mit Zickzack verzierte Bordüre am unteren Rand, am Oberkörper schraffierte Längsstreifen über einem Untergrund, vollflächig gegliedert durch Rauten mit Kreisaugen in der Mitte. Direkt oberhalb der Hüften trägt der Soldat eine Gürtel, von dem vertikal Streifen herabhängen, ein sogenannter vielteiliger Gürtel. Ritzungen und leichte Unterschiede im Relief stellen die metallenen Beschläge eines solchen Gürtels dar. Damit kann die Herstellungszeit nicht vor dem fortgeschrittenen 6. Jahrhundert liegen und ist bis in das 7. Jhdt. möglich. Die relativ eng anliegenden Beinkleider mit Längsfalten gleichfalls durch Streifen verziert. Die Stiefel glatt. Der Linke Arm angewinkelt und mit den Händen auf Höhe des Gürtels aufgestützt. Die waagrecht ausgestreckte Linke umfasst mit den Händen einen schlichten, dreifüßigen Kandelaber mit konischer Basis und einer ringsum leicht gewölbten, eiförmigen Trommel, oben und unten profiliert. Das ganze abgeschlossen durch eine scheibenförmige Platte mit vierkantigem Dorn. Bei dem kunsthandwerklichen Erzeugnis handelt es sich gewissermaßen um zwei ineinander verschachtelte Kandelaber. Auf dem Dorn des kleinen Kandelabers in den Händen des Soldaten konnte eine kleine Öllampe mit passgenauer Vertiefung im Unterteil des Korpus gesteckt werden. Oberläche mit einer wunderschönen, glänzenden "Edelpatina" dunkelgrüner Tönung überzogen, deren Erscheinungsbild regelrecht den Charakter einer Emailierung nahekommt. Außergewöhnlich gutes, geradezu perfekt erhaltenes Exemplar eines sogenannten "Soldatenleuchters", das unter den bekannten Exemplaren aufgrund seiner Erhaltung und dem künstlerischem Niveau als das mit Abstand beste Exemplar dieser Gattung gelten kann. Gesamthöhe 17 cm. Ein Spitzenstück frühbyzantinischen Kunsthandwerks mit der für die Epoche typischen Stilisierung, dessen einzelne Zierelemente und Details der figürlichen Darstellung eindeutig eine Datierung in das fortgeschrittene 6. Jahrhundert ermöglichen. Zu dem schlichten Kandelaber in der Hand des Soldaten gibt es viele formähnliche Originale aus frühbyzantinscher Zeit. Soldatenleuchter fanden unter Umständen bevorzugt bei byzantinischen Militärs Verwendung. Das Stück wurde aufgrund seiner Bedeutung von einem renommierten Byzantinisten ausführlich publiziert und gewürdigt: Victor H. Elbern 1982, A brass candlestick in the shape of a soldier with a multi-part belt, Early Byzantine, late 6th to 7th century AD. In Aachener Kunstblätter 50, S. 148 - 159. Wiederaufgenommen in "Victor H. Elbern. Fructus Operis III. Ausgewählte kunsthistorische Schriften aus den Jahren 1961 - 2007". Regensburg 2008, S. 217 - 228. Eine metallurgische Untersuchung an den Staatlichen Museen Preussischer Kulturbesitz (Rathgen-Forschungslabor) aus dem Jahr 1979 schloss mit dem Ergebnis, dass es keine Hinweise gibt, die gegen eine Herkunft aus byzantinischer Zeit sprechen. KULTURGUT! Provenienz: Erworben vor 1979 durch Kölner den Kunsthändler Axel Weber. Seit Anfang der 1990er Jahre in der Sammlung Axel Guttmann. Seit 2002 Berliner Privatbesitz.Zustand: I Fragen zum Los?