Los 4159

Professor Fritz Burmann (1892 - 1945) - "Blick aufs Meer", Große Deutsche Kunstausstellung 1939, Katalognummer 124

Deutsche Zeitgeschichte - Orden und Militaria ab 1919 | A79r | Präsenzauktion | 787 Lose

Beschreibung

Tempera/Öl auf Leinwand und Hartfaserplatte, links unten signiert und datiert "Fritz Burmann 39". Überaus gekonnte Darstellung einer, von einem Hügel sehnsüchtig aufs Meer blickenden, jungen Bäuerin, links im Hintergrund zwei weitere Feldarbeiterinnen vor hügeliger Landschaft sowie das Meer. Maße 100 x 130 cm, ehemals gerollt. Dazu die zeitgenössische Farbpostkarte (ungelaufen) dieses Gemäldes aus der Serie "Kunst für alle" des Münchner Wiechmann-Verlags. Fritz Burmann absolvierte von 1906-10 eine Malerlehre bei Heinrich Repke, studierte von 1909-12 an der Kunstakademie in Düsseldorf sowie von 1910-14 bei dem Historienmaler Heinrich Nüttgens und anschließend bei Heinrich Knirr in München. Nach diversen Studienreisen wurde er Meisterschüler bei August Deusser und war um 1920 Mitbegründer des "Dreimann-Bundes" mit Werner Peiner und Richard Gessner. Ab 1926 leitete er als Professor an der Königsberger Kunstakademie eine Meisterklasse, wo ab 1931/32 auch Hubert Berke zu seinen Schülern zählte, der nach dem 2. Weltkrieg zu einem der bedeutendsten Vertreter des lyrischen Informels wurde. 1933 wurde Burmann Mitglied der Preußischen Akademie der Künste und lehrte als deren Professor in Berlin von 1936 bis zu seinem Tod. 1939 gelangte das hier vorliegende Gemälde "Blick aufs Meer" in die Große Deutsche Kunstausstellung in München, wo es von Adolf Hitler für RM 1.800 erworben wurde. Trotz dieses Erwerbs wurden weitere Gemälde Burmanns wie etwas das "Stilleben mit Kakteen" oder die "Alte Frau" in der Folge als "entartete Kunst" beschlagnahmt. Dazu in Fotokopie (der Käufer des Gemäldes erhält das Original) die Abschrift des Hauses der Deutschen Kunst vom 22.12.1939, "Wir teilen Ihnen hierdurch mit, dass der Führer anlässlich eines Besuchs unserer Ausstellung folgende Ihrer ausgestellten Arbeiten angekauft hat: Blick aufs Meer (Oel, Kat.Nr. 124)." Da Fritz Burmann dieses Gemälde jedoch seinem engen Freund, Prof. Dr. Hans Spiegel, versprochen hatte, steckte er durch den Ankauf Hitlers in einem Dilemma. Der Architekt Spiegel und Burmann lernten sich in Düsseldorf kennen, teilten sich eine gemeinsame Wohnung und stellten 1926 auf der GeSoLei (Große Ausstellung für Gesundheitspflege, soziale Fürsorge und Leibesübungen in Düsseldorf) aus, Burmann schuf das Zwickelbild "Architekt und Baumeister" im Planetarium und Spiegel stellte sein erstes vorgefertigtes Haus vor. Um nun seinen Freund nicht zu enttäuschen, schuf Burmann eine zweite, absolut identische Version des Gemäldes "Blick aufs Meer" (auch als "Sehnsucht" bekannt), wobei bis heute nicht eindeutig geklärt ist, wer nun welche Version erhalten hat. Da Hitler "sein" Gemälde bis zum 14.10.1943 im Haus der Kunst ließ, um es danach in das Salzbergwerk Altaussee verbringen zu lassen, wäre es durchaus denkbar, dass Burmann doch seinem Freund Hans Spiegel das Gemälde aus der GDK übergab und an Hitler sein Zweitwerk geliefert wurde. Nach dem Krieg wurde Hitlers Gemälde als "Girl at sea" und "Ankauf Reichskanzlei" im Münchner Collecting Point gelistet und befindet sich heute unter der Inventarnummer "Gm 98/113" in der Sammlung "Haus der Deutschen Kunst" des Deutschen Historischen Museums in Berlin. Provenienz:Prof. Dr. Hans Spiegel (1893 - 1987), deutscher Architekt und Burgenforscher sowie enger Freund Fritz Burmanns. Dazu in Kopie (der Erwerber des Gemäldes erhält das Original) ein Schreiben der Schwiegertochter Hans Spiegels sowie der Artikel "Fritz Burmann, der Maler der ostpreußischen Haffs" von Bruno Kroll. Zustand: I - II Fragen zum Los?

Allgemeine Informationen

Unsere Auktion "Deutsche Zeitgeschichte ab 1919" beinhaltet 787 Lose. Die Auktion startet am Freitag, den 24. Mai 2019 um 10:00 Uhr. (Lose: 4001 - 4787). Vorbesichtigung: 15. - 19. Mai 2019 von je 14:00 - 18:00 Uhr.