Lot 937
A copper Cheekpiece of a Late Antique Helmet, 4th Century A.D.
Works of Art, Antiquities & Ancient Art | A108kua | Live auction | 1169 Lots
Hammer price € 800
Show related lotsDescription
Aus zwei übereinanderliegenden und zusammengefügten Bronzeblechen zusammengesetzt. Das untere glatt, das obere von unten her mit Treibarbeiten verziert. Die hintere Seite nach unten vorwärts schwingend, die Vorderseite mit zwei seichten Einschnitten. Der obere Rand mit den beiden äußeren Buchsen eines dreigliedrigen Scharniers versehen, die mittlere Buchse war an der Kalotte befestigt. Im Inneren der beiden äußeren Buchsen Reste des Scharnierstifts. Auf der Schauseite in der Mitte drei Einlagen aus verschiedenfarbigen, teils beschädigten Gläsern. Die Fassungen von unten her getrieben und außen mit Punktpunzen eingekreist. Der Rand der Wangenklappe innen von einer Reihe Sichelpunzen begleitet, die links und rechts von einfachen Punktreihen eingeschlossen ist. Zwischen dieser Zierleiste und dem Rand der Wangenklappe vorne und hinten im Abstand von ca. 2,5 cm kleine Durchbohrungen, die der Befestigung auf einem Helmfutter dienten. Der Dekor der Wangenklappe ist eng mit spätrömischen Helmen des 4. Jhdts. verwandt (z. B. Augsburg-Pfersee, Deurne, Berkasovo, Budapest), die Form des Umrisses entspricht derjenigen von spätrömischen Infanteriehelmen vom Typ Intercisa. Das Buchsenscharnier ist jedoch völlig untypisch für römische Helme dieser Periode und kennzeichnend für Wangenklappen von Helmen des Prinzipats (1. - spätes 3. Jhdt.). Bei spätrömischen Helmen des vierten Jahrhunderts sind die Wangenklappen regelhaft durch vollständig umlaufende Perforierungen mit dem Helmfutter verbunden, das Kalotte und Wangenklappe zusammenhält. Ausnahmen wie die Helme von Deir el-Medina oder Biberwier besitzen eine völlig andere Scharnierlösung. Hier liegt somit entweder eine Wangenklappe eines spätrömischen Helms vor, die als Ausnahmeerscheinung auf eine konservative und zeituntypische Verbindungslösung zur Kalotte zurückgreift oder eine regionale Variante nach dem Vorbild spätrömischer Helme aus dem nördlichen Schwarzmeerraum, angefertigt für einen wohl hochrangigen Militär einer Randkultur des spätrömischen Reiches. Untypisch ist auch die Konstruktion der Wangenklappe aus zwei Bronzeblechen, wohingegen römische Helme dieser Zeit mit vergleichbarer Verzierung aus Eisen mit einer Plattierung aus einem dünnen Edelmetallblech bestehen, in welche der Dekor von unten her getrieben worden ist. Höhe 15 cm. KULTURGUT!Provenance: Französische Privatsammlung. Erworben bei Hermann Historica, München, 26. April 2012. Deutsche Privatsammlung, Passau.
Condition: II - Questions about the lot?