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Messbecher mit kaiserlicher Inschrift und Kaiserbildnissen,

spätrömisch, 402 - 408 n. Chr.

Annähernd zylindrischer Becher mit leicht gewölbtem, in der Mitte fla-

chemBoden. Zur Mündung und zumUmbruch amBoden hin leicht aus-

ladend. Knapp unterhalb des Randes, mittig und kurz vor dem Boden

je eine horizontale Doppellinie. Dazugehörig einst mit Weichlot fixier-

ter Henkel, dessen Lotspuren genaue, passgenaue Entsprechungen am

Becher haben. Der vertikale, bandförmige Griff oben und unten durch

kurzen, horizontalen Steg gleicher Breite mit einer rechteckigen Platte

verbunden, welche mit demBecher verlötet war. Der Henkel oben durch

die stilisierten Büsten dreier Kaiser mit Diadem abgeschlossen. Rechts

vom Henkel beginnend und links davon endend eine vierzeilige In-

schrift, welche die drei Kaiser Arcadius, Honorius und den Sohn des Ar-

cadius, Theodosius II. nennt: DDDNNNARCADIOET HONORIO /

ET THEODOSIOHAC TRIVMFATORIS SSS / PPP AVGVS (Palm-

zweig) SECSTARIVM EXAGIALEM / VNC XXIIII. Der Buchstabe

„S“ retrograd geschrieben. Die Herstellungszeit des Bechers ist in die

Jahre 402 - 408 n. Chr. zu datieren. Theodosius II. wurde 402. n. Chr. im

Säuglingsalter zumAugustus erhoben und trat 408 nach demTod seines

Vaters als Siebenjähriger imOstreich die Alleinherrschaft an.

Die Form des Bechers erinnert in ihrem jetzigen Zustand eindeutig

an islamische Mörser, die sowohl im Hinblick auf Größe und Stärke

der Wandung ganz ähnlich gestaltet sind. Bei einem Meßbecher wäre

eine strikt zylindrische Gestalt zu erwarten. Die leichte Weitung an

Mündung und am Umbruch zum Boden hin, sowie die Wölbung des

Bodens sprechen für typische Abnutzungserscheinungen und Defor-

mierungen, wie sie beimGebrauch eines Pistills in einemMörsergefäß

dieser Größe durch Stöße auf Mündung und Boden entstehen würden

und scheinen auch auf solchen Gebrauch zurückzugehen. In jedem Fall

erlaubt der ausgezeichnet erhaltene, vermutlich aber sekundär leicht

veränderte Meßbecher (Sextarium) zumindest eine ungefähre Angabe

seines Fassungsvermögens. Die Möglichkeit der exakten Datierung,

die hervorragende Erhaltung und die Inschrift mit Nennung von Hohl-

maß und Gewicht machen das Objekt zu einemwichtigen Denkmal von

Metrologie und Verwaltungsgeschichte der Spätantike. Dunkelgrüne

Patina mit leichten Inkrustationen. Minimale Bestoßungen, sonst völ-

lig intakt. Inschrift der oberen Zeile vor allem in der oberen Hälfte

der Buchstaben teils abgenutzt, die unteren drei Zeilen ausgezeichnet

lesbar. Henkel lose, aber eindeutig zugehörig. Höhe des Bechers ohne

Henkel 12,8 cm. Höhe des Henkels 14,5 cm. Höhe mit angepasstem

Henkel 15,9 cm. Mündungsdurchmesser 10,5 x 10,8 cm.

Provenienz: Süddeutsche Privatsammlung, übernommen aus altem

Familienbesitz.

A late Roman measuring cup with an imperial inscription and portraits

of emperors, 402 - 408 A.D.

The cup of nearly cylindrical shape, the base slightly domed and flat in

the centre. The body tapering slightly outwards at the opening and the

curve of the base. Two horizontal lines just below the rim, in the centre

and just above the base. Includes matching handle, originally affixed

with soft solder, the soldering marks with exact counterparts on the cup.

The vertical, band-shaped handle connected at the top and bottom, by

means of a short, horizontal crosspiece of equal width, to a rectangular

plate, which was soldered to the cup. The handle surmounted by the sty-

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