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Geätzter Halbharnisch, Mailand, um 1580/90

Morion mit einteilig geschlagener Kalotte und hohem, geschnürltem

Kamm. Umlaufend eiserne Futternieten, spitz zulaufende Krempe mit

gebördeltem und geschnürltem Rand. Ganzflächig reiche Zierätzung

mit Darstellung antiker, mythologischer Figuren zwischen Band- und

Trophäendekor. Ergänzte Wangenklappen, kleine Reparatur an der

hinteren Spitze der Krempe, zwei Löcher an der Vorderseite des Kam-

mes. Im Scharnier zu öffnender Kragen (kleine Reparaturstellen), der

Halsreif mit kräftig gebördeltem und geschnürltem Brechrand. Volles

Armzeug mit großen, sechsfach geschobenen Schultern (Reparatur-

stelle an der rechten Schulter). Geschlossene Armröhren mit drei-

fach geschobenen, geschlossenen Meuseln. Leicht unterschiedliche

Panzerhandschuhe mit gegrateten Stulpen und vierfach geschobenen

Handrücken. Im Scharnier anhängende Daumenbleche (nicht zuge-

hörig), die Fingerschuppen fehlen. Hochwertige, gegratete Brustplatte

in Gansbauch-Form mit geschobenen Armeinsätzen (der rechte gut

ergänzt). Kräftige, nach innen gebördelte Brechränder. Fein geätzter

Trophäendekor, im Zentrum der Brust eine Darstellung des Mars, da-

rüber Kartusche mit Darstellung eines zweitürmigen Stadttores. Ein

nicht ursprünglich zugehöriger Bauchreif mit anhängenden, fünffach

geschobenen Tassetten (ein Geschübe am Rand unvollständig). Dazu

ein verkürztes Paar vierfach geschobener Oberdiechlinge mit dreifach

geschobenen Kniebuckeln (Reparaturstellen, ein Geschübe ergänzt).

Dekorativer, aus alten Teilen zusammengestellter Harnisch, die Bele-

derung teils erneuert. Höhe ca. 174 cm.

Das geätzte Stadttor bzw. der Turm auf der Oberseite der Brustplatte

ist die Signatur einer bedeutenden Mailänder Plattnerwerkstatt, die

heute unter dem Namen „Master of the Castle“ bekannt ist, und die

in ähnlich hoher Qualität wie die bekannte Werkstatt „Pompeo della

Chiesa“ für viele Fürstenhäuser in Europa arbeitete. Der wohl bekann-

teste Harnisch des „Masters of the Castle“ ist die Harnischgarnitur des

Salzburger Fürsterzbischofs Wolf Dietrich von Raitenau, von der sich

Teile im Bayerischen Nationalmuseum wie auch der Wallace Collec-

tion befinden. Weitere Harnische aus dieser Werkstatt befinden sich in

der Sammlung der Eremitage in St. Petersburg, der Armeria Reale in

Turin, der Real Armeria in Madrid und imMusée de l’Armée in Paris.

Provenienz: Sammlung Victor Bacherau, Paris. Sammlung Dr. Bash-

ford Dean, Riverdale, New York. 1927 von der American Art Associa-

tion erworben. Auktion Thomas del Mar, 05/2014, Los 138.

A Milanese etched half armour, circa 1580/90

The skull of the morion forged in one piece, with a tall, roped comb. A

continuous border of iron lining rivets, the tapering brim with turned

and roped edges. The entire surface lavishly adorned with etchings of

various antique mythical creatures, amidst scrolling bands and trophy