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Gotischer Feldharnisch, süddeutsch, teils Innsbruck,
um 1480 - 1500
Gotische Schaller mit schwerer, einteilig geschlagener Kalotte. Flacher
Kamm mit dreifacher Lochung für die Helmzier. Umlaufend kräftige
Futternieten mit Spiraldekor. Aufschlächtiges Visier mit gefederter
Sperre, seitlich je dreipassige Durchbrüche. Geschobener Nacken-
schirm, der untere Helmrand nach außen gebördelt. Der Nackenschirm
eine spätere Ergänzung, Visier eventuell nicht ursprünglich zugehörig.
Hervorragend ergänzter Bart im Innsbrucker Stil mit leicht gegrateter
Platte und abschlächtig geschobenem Gesichtsschutz mit gebördeltem
Rand. Kräftig gegratete Brustplatte mit beweglich geschobenen Arm
einsätzen (der linke ergänzt). Verschraubter, klappbarer Rüsthaken.
Drei Bauchreifen mit kurzen, dreifach geschobenen Tassetten. Un-
terhalb des Halsausschnittes geschlagene Kleeblattmarke der Inns-
brucker Familie Treytz. Die Brustplatte modern nachbearbeitet, die
V-Linie am oberen Rand wohl nachträglich hinzugefügt, Ränder teils
beschnitten. Zwei Bauchreifen und die Tassetten in Museumsqualität
ergänzt. Zweifach geschobene Rückenplatte mit kräftiger, V-förmiger
Flutung und geschweiften Rändern. Am oberen Rand geschlagene
Kleeblattmarke. Das mittlere Geschübe der Rückenplatte und die drei
Gesäßreifen gut ergänzt. Armzeug mit kleinen, sechsfach geschobe-
nen Schultern, auf den untersten Geschüben je drei Zierrippen. Gut
ergänzte Schwebescheiben. Halboffene Meuseln mit kupfergefütterten
Schnürlöchern. Eine Meusel stark restauriert, die zweite möglicher-
weise eine Ergänzung des 19. Jhdts. Hentzen mit langen, gegrateten
Stulpen. Die Geschübe des Handrückens und der Fingerschutz unter
Verwendung einiger alter Teile zusammengestellt und ergänzt. Volles
Beinzeug mit gefluteten Oberdiechlingen. Die Oberdiechlinge unter
Verwendung einiger alter Teile umgearbeitet und rekonstruiert. Die
originalen Seitenplatten jeweils mit geschlagener Kleeblattmarke.
Fünffach geschobene Kniebuckel, die Unterdiechlinge wohl eine Ar-
beit des 19. Jhdts. Originale, spitz zulaufende Panzerschuhe, auf dem
vordersten Geschübe jeweils zweifach gemarkt. Die Fersenbleche gut
ergänzt.
Dabei ein hochwertiges, deutsches Kettenhemd des 15. Jhdts. mit halb-
langen Armen auf flachen, sauber vernieteten Ringen. Der Kragen
später hinzugefügt. Auf maßgefertigter Puppe montiert. Höhe 171 cm.
Die auf Brust, Rücken und Teilen des Beinzeugs geschlagenen Klee-
blattmarken wurden von der Innsbrucker Plattnerfamilie Treytz ver-
wendet, sie sind vermutlich Jörg Treytz, tätig um 1485, zuzuschreiben.
Vergleichbare Arbeiten von ihm haben sich in der Sammlung der Gra-
fen von Matsch auf der Churburg erhalten.
Bei den Marken auf den Schuhen handelt es sich vermutlich um die
Plattnermarken des Konrad Polers, der um 1492 - 1500 in Nürnberg
tätig war.
Provenienz: Sammlung Klingbeil, Berlin. Versteigert bei Hermann
Historica, München, 14. Oktober 2012, Los 67. Damaliger Zuschlags-
preis 73.000 Euro.




