142 | RÖMISCHES REICH 913 Silberstatuette der Venus, ihr Brustband lösend, römisch, 2. - Mitte 3. Jhdt. n. Chr. Die bis auf das Brustband (fascia pectoralis) unbekleidete Gottheit im leichten Kontrapost stehend. Die anatomischen Details des schlanken Körpers wohl proportioniert und detailliert modelliert. Den geringfügig zur Seite geneigten Kopf nach rechts gewandt. Das mittig gescheitelte Haar hinten in einem Knoten zusammengefasst, abgesehen von zwei Strähnen, die links und rechts in Wellen über die Schultern fallen. Oberhalb der Stirn ein halbmondförmiges Diadem ins Haar gesteckt, unter dem die Stirn- und Seitenhaare in Wellen verlaufend das fein ausgearbeitete Antlitz umspielen. Mit dem rechten, nach oben angewinkelten Arm löst die Göttin die obere Lage des Brustbandes, das die Brüste von unten her gebunden und nicht vollständig bedeckt hat. Das mit einem Knebel versehene Ende des Bandes hält sie in der Hand. Den linken Arm nach unten angewinkelt vor die Körpermitte geführt, hält die Göttin mit den Fingerspitzen der linken Hand die untere Lage des Brustbandes fest, das sich unter der linken Achsel hindurch auf den Rücken erstreckt und unter der rechten Achsel hindurch in das gelöste Endstück mündet. Oberfläche mit minimalen Korrosionsspuren und Inkrustationen sowie geringfügig fleckigem Farbverlauf, was den Gesamteindruck der anmutigen Figur in keiner Weise beeinträchtigt. Auf der Unterseite der Füße Lotspuren von der Befestigung auf einem Sockel. Höhe 13 cm. Ausgesprochen seltene erotische Darstellung von überdurchschnittlich guter Qualität. Brustbänder sind von bildlichen Darstellungen u. a. von den berühmten Mosaiken der Villa Romana del Casale auf Sizilien bekannt, wo Gymnastinnen bei sportlichen Betätigungen in bikiniartigen Kleidungsstücken dargestellt sind, dort mit vollständig bedeckten Brüsten. Nur von unten her gebundene Bänder mit halb bedeckten Brüsten sind dagegen eher Gegenstand von Darstellungen mit erotischer Konnotation, beispielsweise bei einer prominenten Venusstatuette aus dem Rheinischen Landesmuseum Trier oder Wandmalereien aus den Lupanaren von Pompeji, wo Prostituierte häufig mit Brustbändern als einzigem Bekleidungsstück dargestellt werden. Die Zusammensetzung der Legierung steht aufgrund von zwei RFA-Analysen nicht im Widerspruch zu einer antiken Herstellung und ist typisch für zeitgenössische Silberlegierungen (u. a. 94,4 % Ag; 0,2 % Au; 4,5 % Cu; 0,5 % Sn; 03 % Pb; 0,1 % Zn und viele Spurenelemente). Provenienz: Niederländischer Privatbesitz (T. J.), erworben 2014 aus niederländischer Privatsammlung (J.M. v.R.v.K.), von diesem übernommen aus der Sammlung des Vaters, der das Stück in den 1960er Jahren in Antwerpen erworben hatte. KULTURGUT! 913
RkJQdWJsaXNoZXIy NDA0OTk=