Der Nachlass Leonrod

62 | D ie nachfolgenden 103 Lose stammen nun aus dem Nachlass des Wilhelm Freiherr von Leonrod (1865 - 1943), der zunächst als Flügeladjutant des Prinzen Ludwig von Bayern, ab 1912 als Oberstall­ meister des Prinzregenten und ab 1915 als Obersthofmeister des Königs Ludwig III. von Bayern diente. Durch die zahlreich erhaltenen Dokumente (alle nach seinem Tod 1943 handschriftlich und chronolo- gisch von seiner Frau Clara paginiert) wird nun erstmalig seine im Übrigen recht spärlich überlieferte Vita eindrucksvoll im Folgenden dokumentiert. 1036 Wilhelm Freiherr von Leonrod - Großkreuzsatz des Bayeri­ schen Verdienstordens vomHeiligen Michael im Verleihungsetui In überragender Goldschmiedekunst gefertigtes Großkreuzkleinod aus der Werkstatt von Eduard Quellhorst um 1880. In mehrfarbigem Gold gefertigt, ziseliert und poliert, in perfektemKönigsblau, minimal transluzid emailliert. Die dünn geprägte, reich nachgeschnittene, bewegliche Königskrone an gravierter Zieragraffe, die vollplastisch geprägte und nachgearbeitete Heiligenfigur mit emailliertem Brust- kreuz und dem Ordens-Wahlspruch „QUIS UT DEUS” (Wer ist wie Gott), mit dem Drachen kämpfend. Die Zentralfigur ist von einem Kranz aus Strahlen und Donnerkeilen unterlegt, der zwischen den Kreuzarmen durchbrochen, auf diesen in die Emaille eingelassen gear- beitet ist. Das goldene (leicht oxydierte) Revers-Medaillon mit der emaillierten Zweckinschrift „VIRTUTI” (dem Verdienste), die Kreuzarme beidseitig mit den Buchstaben „P F P F”, Prinzipi Fidelis Favere Patriae (dem Fürsten treu, demVaterland dienstbar sein) verse- hen. Im Bandring die Hersteller-”EQ” und Feingehaltspunze „18” für 750-teiliges Gold. Breite 64,2 mm. Gewicht 61,6 g. In Silber, brillantiert gefertigter, achtstrahliger Bruststern zumGroß- kreuz in früher (unpunziert, vor 1867) österreichischer Fertigung. Die Kreuzarmauflagen rückseitig verschraubt, an Nadel. Teilweise (Schrift, Kreuzarmfelder) vergoldet, leicht oxydiert. Breite 87,5 mm. Gewicht 71,4 g. Originallange, konfektionierte und getragene Ordensschärpe der Großkreuze in der Ausführung ab 1887 (rosa mit blauen Kanten) aus gewässertem Seiden-Moiré. Breite 101,5 mm. Zusammen im dunkel-ledernen Verleihungsetui mit Golddruck „Grosskreuz des kgl. bayer. Verdienst-Ordens vom hl. Michael.”, des Ordens-Juweliers „GEBRÜDER HEMMERLE MÜNCHEN MAXIMILIANSTR. 41”, mit herausklappbarer roter Samteinlage und der eingeklebten Trageanweisung „… Das Ordenskreuz wird an dem von der linken Schulter …”. Es handelt sich bei diesem Großkreuzsatz um die 1918 an Wilhelm Freiherr von Leonrod verliehene und verausfolgte Ordensgarnitur. Ge- liefert von der Traditionsfirma Gebrüder Hemmerle gelangte hier ein bereits zuvor verliehenes und nach dem Tode des ersten (oder zweiten) Trägers zurückgeliefertes Set zur Ausgabe. Da bis 1884 die Bruststerne des Zivil-Verdienstordens der Bayerischen Krone und des Michaels- Ordens probemäßig gestickt waren, kam es vor, dass gelegentlich auch privat beschaffte Metallsterne (hier der eines österreichischen Trägers bei Rücklieferung) mit in den Ordensschatz gelangten und auch wieder vergeben wurden.

RkJQdWJsaXNoZXIy NDA0OTk=