Orden und Militaria bis 1918

130 | 4160 Kürassier-Leib-Standarte mit Fahnenspitze, -stange und -quasten aus der Regierungszeit Kaiser Leopolds I. von Österreich, 1658 - 1705 Der Überlieferung nach im Spanischen Erbfolgekrieg während des Gefechts bei Schardenberg und Eisenbirn am 11. März 1703 durch kur- bayrische Truppen vom österreichischen Kürassierregiment „Jung- Hannover“ erbeutet. Zu etwa 40%einseitig erhaltenes Standartentuch aus weißem, geblüm- tem Seidendamast, restauratorisch in den 1960er Jahren auf lachsfar- benem Seidentuch montiert. Zudem in erhabener Silber- und Gold- stickerei (altersbedingt gedunkelt) erhalten die Chiffre „L“ unter der Kaiserkrone und zwischen geteilter Datierung „(1)6 - 77“ über der Kro- ne die Devise „Pro Deo et Caesare“. Zwei der en suite gefertigten vier Eck-Palmetten (links oben und rechts unten) ebenfalls erhalten. Maße des lachsfarbenen Seidentuchs ca. 52 x 50 cm, ursprüngliche Maße des Standartentuchs ca. 50 x 48 cm. Unter schützendem Seidengaze. Die Fahnenspitze aus Eisen, das Blatt mit durchbrochenemDoppelad- ler, konische Tülle. Gesamthöhe 23 cm. Die Fahnenstange aus Fichtenholz mit überwiegend erhaltener grauer Farbfassung, in der Form an eine ritterliche Turnierlanze angelehnt mit kleiner Handhabe im unteren Viertel, achtfacher Kehlung, seitli- cher eiserner Reitstange mit Ösen sowie vier eisernen Schaftfedern. Die Nägel der Federn sowie die Tülle mit floral gepunzten Köpfen, die Schrauben der Reitstange mit bombierten Köpfen. Gesamtlänge mit Standartenspitze 252,5 cm. Um die Tülle der Spitze gewickelte, wohl ehemals schwarz-gelbe Kor- del mit zwei Quastenabschlüssen, die Fransen einer Quaste nur noch teilweise erhalten. Von allergrößter Seltenheit. Vgl. Peter Jaeckel, Kaiserliche Standarten in Ingolstadt, in Militaria Austriaca, Band 4 der Gesellschaft für österreichische Heereskunde, 1983. Darin werden neben dieser Standarte vier weitere im Bestand des Armeemuseums in Ingolstadt beschrieben, dort befinden sich eine weitere Leibstandarte mit weißem Tuch und drei Ordinärstandarten mit rotem Tuch. Allen fünf Standarten gemein ist, dass vom Standar- tentuch jeweils nur eine Seite vorhanden ist. Jaeckels Vermutung ist, dass die Doppeladler- bzw. Madonnenseiten der Standarten ab 1705 durch das von Österreich besetzte und durch den Krieg finanziell ge- schwächte Bayern aus Kostengründen für neu anzufertigende Standar- ten verwendet wurden, wohingegen die Seiten mit der Chiffre Kaiser Leopolds I. nach dessen Tod 1705 unbrauchbar wurden. Provenienz: Wie auch die vier Standarten im Bayerischen Armeemu- seum in Ingolstadt stammt diese Leibstandarte höchstwahrscheinlich aus demGefecht bei Schardenberg und Eisenbirn am 11. März 1703, als Truppen des bayrischen Kurfürsten Maximilian Emanuel das Corps des österreichischen FML Leopold Schlick angriffen und bezwangen. Das einzige Kürassierregiment auf österreichischer Seite war dabei das 1663 als „Garnier-Cürassiere“ gegründete Regiment, das ab 1697 Cürassier-Regiment „Jung-Hannover“ hieß. 4160

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