Kunst und Antiquitaeten - Antiken, Asiatika und Russische Kunst
| 89 60 Goldnadel mit Mysteriensymbolen gegen den bösen Blick, römisch, 2. - 3. Jhdt. Goldene Nadel, oben mit einem Kopf aus einer zylindrischen Man- schette um die Nadel versehen, die außen mit zwei horizontalen Reihen von Granalien geschmückt ist. Darunter eine goldene Pressblechschei- be mit Mysteriensymbolen rund um ein Auge, die auf der Rückseite mit zwei Manschetten beweglich um die Nadel befestigt ist. Unterhalb der Pressblechscheibe nochmals eine massive bewegliche Manschette, die von einer 7,8 cm langen Umwicklung der Nadel aus feinem Golddraht gehalten wird. Darunter läuft die blanke Nadel mit einer verbleibenden Länge von 5,5 cm in eine stumpfe Spitze aus. Die von hinten über einem Modell getriebene Darstellung der Press- blechscheibe stellt in der Mitte ein Auge dar, das den bösen Blick sym- bolisiert. Ringsherum diverse Mysteriensymbole, wie sie aus orienta lischen Kulten, u.a. dem Mithraskult oder auch dem Donaureiterkult, bekannt sind. Diese teils deutlich gegen den „bösen Blick” gewandt und ihn in Schach haltend. Zu den Symbolen zählen ein Blitzbündel, ein Skorpion, ein Löwe, eine Schlange, ein Hahn und ein Tausendfüßler sowie ein Dolch und ein Pfeil. Länge 14,3 cm. Gewicht 8,12 g. Eng verwandte Darstellungen stammen u.a. von einzeln gefundenen römischen Amuletten, teils ebenfalls aus Gold, sowie anderen Kunst- gattungen wie Mosaiken, Wandmalereien oder Öllampen. Die vor liegende Nadel mit einem integrierten Amulett als Schutzzauber gegen den bösen Blick darf als ein selten schönes und nahezu perfekt erhal tenes Exemplar dieses Motivs auf einem kunsthandwerklichen Klein- objekt gelten. Sie ist ein spannendes religionsgeschichtliches Zeugnis für das Eindringen orientalischer Kulte mit dualistischen Vorstellun- gen ins römische Reich, bei denen der ewige Kampf zwischen Gut und Böse symbolisiert ist, den demLicht bzw. der Sonne zugeordnete Gott- heiten wie z.B. Mithras führen. Vergleichbare Denkmäler zuletzt systematisch besprochen von Rita Chinelli (Fundort Wien, Beiträge zur Archäologie, 13/2010). Provenienz: Süddeutsche Privatsammlung. 299386 I - € 2.000 60 59 Photo 3 59 Photo 2
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