Kunst und Antiquitäten - Antiken, Asiatika und Russische Kunst

86 | ImRand der Manschette unterhalb der Mündung des Blechzylinders im Fuß gleichfalls zwei Löcher, durch die ein Stift durch Säuleneinsatz und Blechzylinder im Fuß geführt werden kann und zusätzliche Stabilität verleiht. Höhe des unteren Säulenschaftes 38,7 cm. Gewicht 316 g. Der obere Säulenschaft unten ähnlich konstruiert wie der untere. Oberhalb der zwei Löcher zur Fixierung mit dem unteren Säulenschaft zusätzlich eine profilierte, vergoldete Manschette. Die Säule selbst diesmal mit senkrechten Kanneluren versehen. Oben wieder durch eine gleichartige Manschette abgeschlossen und darüber mit einem in allen Details fein ausgearbeiteten und wohl proportionierten korinthi- schen Kapitell abgeschlossen, das gleichfalls aus getriebenen Blech­ teilen zusammengefügt worden ist. Oben eine rechteckige Platte mit leicht eingezogenen Seiten, in deren Mitte ein schmaler Blechzylinder mit zwei Löchern steckt, der zur Aufnahme und Fixierung des letzten Teils dient, dem „Pokal” mit Standfläche für die Öllampe. Höhe dieses Segments 66,5 cm. Gewicht 650 g. Der Pokal unten mit einem Stiel, der in eine amRand profilierte Stand- fläche übergeht. Die Unterseite durch ein Blech mit zentralem Loch abgedeckt, durch das der Blechzylinder auf dem korinthischen Kapitell gesteckt werden kann. Im Stiel zwei Löcher zur Sicherung des Pokals mit einem Stift. Der Körper des Pokals in zwei Zierzonen eingeteilt. Unten vertikal verlaufende, gewölbte und am Rand markant ziselierte Zungen. Darüber ein vergoldeter Fries mit einer Wellenranke. In den Wellentälern und -bergen Blüten an abzweigenden Ranken. In den Zwischenräumen füllen feinere Ranken und Blätter die Felder. Die Standfläche mit einer tellerartigen Vertiefung. Der Boden durch Drehrillen in Zonen gegliedert, deren äußerste mit floralemRitzdekor und Kreispunzen am äußeren Rand verziert ist. Der breite horizontale Rand durch zwei kräftige Perlkreise begrenzt, in der vergoldeten Bahn dazwischen wieder eine Wellenranke mit Blättern und Blüten. Auf der vertikal nach unten überhängenden Randlippe ein lesbisches Kyma­ tion. Höhe 14,1 cm. Durchmesser 15,7 cm. Gewicht 389 g. Die Wellenranken auf dem Rand und der oberen Zierzone des „Gefäß- körpers” haben exakte Entsprechungen in Kunstwerken des auguste­ ischenZeitalters, wie der Ara Pacis inRom, oder anderemSilbergeschirr gleicher Zeitstellung, etwa dem Hildesheimer Schatzfund oder dem Depot von Boscoreale. Es besteht kein Zweifel, dass der Kandelaber als ein raffiniert konstruiertes und künstlerisch repräsentatives Meister- werk der augusteischen Klassik angesehen werden darf. Vergleichbare Kandelaberformen aus Bronze, wenngleich nicht so vollkommen und nicht in diesem Maße zerlegbar, stammen aus Pompeji. Die Grundidee eines zerlegbaren Kandelabers mit ähnlichem Pokal und einemKapitell findet sich noch Mitte des 4. Jhdts. im Schatzfund von Kaiseraugst, dort aber eindeutig mit Verzierungselementen der Spätantike. Die Höhe des zusammengesteckten Kandelabers beträgt 114,5 cm. Das Gesamtgewicht beträgt 3,581 kg. Von ursprünglich zwei losen, nicht befestigten Stiften zur abschließenden Sicherung der fixierten Einzel- teile nur einer erhalten.

RkJQdWJsaXNoZXIy NDA0OTk=