Kunst und Antiquitäten - Antiken, Asiatika und Russische Kunst

84 | RÖMISCHES REICH 50 Silberner Kandelaber augusteischer Zeitstellung, 1. Jahrzehnt v. Chr. - 1. Jahrzehnt n. Chr. Mehrteiliger Kandelaber von außergewöhnlicher Qualität und äußers- ter Seltenheit. Aus folgenden Einzelteilen zusammengesteckt und zerlegbar: 1) Massiv gegossener Fuß mit Blechappliken. 2) Unterer Säu- lenschaft aus Silberblech. 3) Oberer Säulenschaft mit Kapitell aus Silberblech. 4) Aufsatz aus Silberblech in Form eines Pokals mit Stand- fläche für eine Öllampe. 5) Loser Stift zur Fixierung. Der Fuß verleiht dem Kandelaber mit den hohl gearbeiteten Ober­ teilen Stabilität. Drei massiv gegossene Raubkatzenpranken sind zur Mitte hin zusammengeführt und an einer zentralen, zylindrischen Röhre aus kräftigem Silberblech befestigt. Die künstlerische Qualität der naturalistisch geformten Pranken ist außerordentlich und bildet die anatomischen Einzelheiten bis ins kleinste Detail präzise ab. Die Bal- len unter den Zehen, die Krallen und die Sehnen auf der Oberfläche der Pranken sind minutiös ausgearbeitet und an der Oberfläche fein und nuancenreich modelliert. Das Fell ist liebevoll und in äußerst gleichmäßigen, geringen Abständen durch Strichpunzen dargestellt. Die auf diese Art gestalteten Pranken und die dynamische Biegung der Läufe oberhalb davon erwecken die Assoziation einer vor Kraft strot- zenden und zum Sprung bereiten Großkatze. Zur Mitte hin sind die Läufe oben und unten durch gleichfalls äußerst naturalistisch gestaltete Blätter mit fein nuancierter Binnenstruktur ab- gedeckt. Die Spitzen der oberen Blätter nach innen hin zurückgebogen. In den Zwischenräumen zwischen den Füßen drei wohlgeformte Blech- palmetten mit Durchbruchsarbeit. Direkt unterhalb der Mündung des zentralen Blechzylinders eine Manschette mit rundum verlaufendem Blattdekor. Manschette, Innenseite der Blätter und Palmetten vergoldet. Der zentrale Blechzylinder unten mit einer amRand profilierten Kappe abgedeckt, auf deren Unterseite ein kräftig eingeritzter Namenszug im Nominativ: VITVS OPTIMVS. Gegenüberliegend einige schwächere Ritzungen, die möglicherweise als Gewichtsangaben zu deuten sind. Breite von Fuß zu Fuß ca. 29 cm. Gewicht 2,22 kg. Das zweite Teil ist eine präzise geformte Säule mit spiralig verlaufenden Kanneluren, die kurz vor dem glatten, oberen Rand durch Ritzlinien begrenzt sind. Imoberen Rand zwei Löcher zur Fixierung des folgenden Aufsatzes mit einem Stift. Dieser Stift ist mit einer Silberkette an einer blattförmigen Attasche befestigt, die auf dem Korpus der Säule fest­ gelötet ist. Eine senkrecht verlaufende Naht lässt erkennen, wo das zur Röhre bzw. zumSäulenschaft gebogene Silberblech verschweißt worden ist. Der untere Rand gleichfalls glatt. Von den Kanneluren durch einen feinenAbsatz getrennt. Dort wiederum zwei Löcher, deren Lagemit den oberen korrespondiert. Unten eine weitere Blechröhre eingesetzt und verlötet, die beim Zusammenstecken mit dem Fuß vollständig verschwindet, aber die Stabilität der eingesteckten Säule garantiert.

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