Kunst und Antiquitäten - Antiken, Asiatika und Russische Kunst

74 | 41 Monumentale Grabhydria mit Naiskosszene, apulisch, Mitte 4. Jhdt. v. Chr. Zylindrischer Fuß mit weit ausladender Stand- platte, deren Rand profiliert. Darüber über einer Kehlung der ovoide Bauch, der oben rund aber doch deutlich zur konischen, mini- mal eingezogenen Schulter umbricht. Diese geht mit einem kaum wahrnehmbaren Absatz in den doppelkonischen, einwärts gezogenen Hals über, der durch einen tellerförmigen Rand abgeschlossen wird, der eine profilierte, schräg nach unten verlaufende und leicht über- hängende Randlippe besitzt. Im oberen Ab- schnitt des Bauches zwei gegenüberliegende, schwarzen Zone, darüber ein Mäander. Darü- ber die Bildzone. Die Schauseite zeigt ein zweisäuliges Grabtempelchen (Naiskos) ober- halb eines Podestes mit Wellenranke, der Giebel mit Akroteren geschmückt. Im Inne- ren des Tempels die durch weiße Farbe als Verstorbene gekennzeichnete Dame. Sie trägt ein Diadem, ist mit einem Chiton bekleidet und sitzt auf einem Klapphocker. Flankiert wird sie von zwei Dienerinnen, gleichfalls in weißer Farbe, von denen eine ein geöffne- tes Kästchen, die andere einen Fächer hält. Diese Figurengruppe entsprach real existie- renden Grabstatuetten bzw. einemGrabrelief. Seitlich vier Frauenfiguren, die oberen sit- zend, die unteren stehend, in roter Farbe. Sie halten diverse Gegenstände in den Händen, darunter Kästchen und Spinnrocken, oder sind durch frei im Feld aufgemalte Attribute in ihren Tätigkeiten charakterisiert. Obwohl der Blick dem Naiskos zugewandt ist, zeigen diese Frauengestalten keinerlei Anzeichen von Schmerz oder Trauer, sondern sind eher teilnahmslos und neutral auf ihr Handeln fi- xiert. Die rote Farbe kennzeichnet sie als „le- bendig” und sie stehen wohl nicht für Angehö- rige der Toten, sondern für aktive Frauen in einer jenseitigen Sphäre, in welche die Ver- storbene überführt werden soll. Hinter der Schauseite zwischen den Henkeln und auf der Rückseite vollflächig aufgetragen rote Palmetten auf schwarzem Grund. Der Hals durch einen Kranz mit weißen und roten Blättern verziert, der vorne oberhalb des Gie- bels des Naiskos mit einer Blüte versehen ist. Auf der Randlippe ein ionisches Kymation. Ein Prachtexemplar apulischer Grabkeramik von außergewöhnlicher Größe mit detailrei- chen Abbildungen. Aus Scherben vollständig wieder zusammengesetzt. An den Bruchstel- len geringfügige Ausbesserungen der Malerei. Höhe 70 cm. Breite 50 cm. Provenienz: Aus deutscher Privatsammlung, anschließend in deutscher Galerie, dann ver- steigert bei Christie’s, New York. Mit italieni- scher Exportlizenz vom Januar 2021. rundstabige horizontale Henkel mit nach oben gezogenen Seiten. Hinter der Schauseite, in der Mitte zwischen den beiden horizontalen Bauchhenkeln ein vertikaler, rundstabiger Henkel, der vom Hals aus, direkt unter dem Rand, hin zur Schulter, direkt oberhalb des Umbruchs zum Bauch, im Bogen verläuft. In- nerhalb der von den Bauchhenkeln einge- schlossenen Fläche zwei sogenannte „Brenn- löcher”, die möglicherweise jedoch eher zur Befestigung von funeralem Schmuck wie Bän- dern oder Girlanden dienten. Das Gefäß mit einer üppigen, rotfigurigen Malerei bedeckt. Der Bauch unten mit einer

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