Kunst und Antiquitäten - Antiken, Asiatika und Russische Kunst
70 | Riss. Kleinere Gussfehler wurden in typisch antiker Manier nach dem Guss ausgebessert und ihre Oberfläche entsprechend nachziseliert. Ein Meisterwerk des antiken Bronzegusses mit liebevoll ausgeführten Details, eigenwilliger, einem spezifischen Kunstwollen entsprechender Stilisierung und außergewöhnlicher Größe für das dargestellte Sujet. Höhe 32 cm (mit Sockel 38,5 cm). Provenienz: Aus der Sammlung eines süddeutschen Altphilologen, von diesem erworben in den 1950er und 1960er Jahren. Dann weiter in Familienbesitz. A Greek bronze eagle of unusual stature with exceptionally fine craftsmanship, possibly early classical (early 5th century B.C.) or late Hellenistic (1st century B.C. – 1st century A.D.) The heavy bronze figure with thick walls, produced by applying the lost- wax casting technique, probably with a clay core inside. The style and method clearly suggest it dates from classical antiquity. Two features of the remarkable bronze sculpture stand out in particular: firstly, the un- usual size for a bronze sculpture of a bird from classical antiquity, such as is very rarely found; secondly, the surface is characterised by the ex- ceptionally fine, naturalistic rendering of the plumage. The bird stand- ing in repose, its wings tightly folded and head upright, slightly turned to the left. The tail feathers pointed slightly downwards, protruding from beneath the wings. The tops of the metatarsal bone (tarsometatar- sus), covered in scales, still in place below the feathered tarsi. The toes Die exakte Datierung des Objekts ist nicht einfach, da es von der Größe und der Qualität der Ausarbeitung bisher eher als singulär anzusehen ist. Ein griechisches Bronzevotiv aus demAkropolismuseum (datiert in das späte 6. Jhdt. v. Chr.) zeigt einen noch etwas steifer dargestellten Vogel ohne die leichte Kopfwendung, der jedoch in der Anlage von Muskulatur und Haltung sehr ähnlich ist. Großgriechische Tetradrach- men aus Akragas (1. Viertel des 5. Jhdts. v. Chr.) an der Wende von der Archaik zur Frühklassik bilden eindeutig als Adler zu verstehende Vö- gel ab, deren seitliche Silhouette ebenso wie die feine Zeichnung des Federkleids und der eher rundliche Kopf häufig in hohem Maße wie Miniaturen des hier vorgestellten Adlers wirken. Adlerdarstellungen römischer Reichskunst haben in der Regel ein ungleich stärker relie- fiertes und gröber dargestelltes Gefieder, die Haltung ist in der Regel dynamischer und der Gesichtsausdruck aggressiver. Demgegenüber sind vor allem in der östlichen Reichshälfte immer aus lokalen Traditionen gespeiste Kunstauffassungen denkbar. Die aus gesprochen realistische, aber doch wenig dramatisierende und ruhige Darstellung des Adlers könnte auch für eine Herstellung im späten Hellenismus (1. Jhdt. v. Chr. – 1. Jhdt. n. Chr.) sprechen. Die Oberfläche ist mit einer geradezu perfekten, gleichmäßig oliv grünen Patina überzogen, deren seidenmatter Glanz die fein ausgear- beiteten anatomischen Details vorteilhaft zur Geltung bringt. Auf der rechten Seite verläuft ein bereits in der Antike vorhandener, feiner
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