Kunst und Antiquitäten - Antiken, Asiatika und Russische Kunst
68 | Vogels ist klar konturiert und auf der Oberfläche des Körpers sind die Federn mit den Schäften des Kiels und den davon abzweigenden Ästen ausgesprochen fein und präzise durch Ziselierung dargestellt, wobei vor- gefertigte Strukturen im verlorenen Wachsmodell weiter ausgearbeitet worden sind. Die Augen mit klar konturierten Lidern und Pupillen sind von einer markanten Wulst überragt. Der Hakenschnabel macht deut- lich, dass es sich um einen Greifvogel handelt. Unter- sowie Oberschna- bel mit den Öffnungen amAnsatz sind präzise ausgeführt. Während die rechte, ursprünglich wohl äußere Seite durch einen strengen Blick ge- kennzeichnet ist, hat die leicht einwärts gedrehte, linke Seite eine lieb lichere Anmutung. Der Adler war wohl Teil einer Figurengruppe und man darf davon ausgehen, dass auf der postulierten Innenseite ein zwei- ter Vogel oder eine lebensgroße beziehungsweise fast lebensgroße Figur platziert war. Auch wenn die Wulst über den Augen nicht geradlinig verläuft und den typischen „Adlerblick” repräsentiert, ist davon aus zugehen, dass mit der Darstellung ein Adler gemeint ist. 37 Bronzener Adler von ungewöhnlicher Größe und ausgesprochen feiner Ausarbeitung, griechisch, eventuell frühklassisch (frühes 5. Jhdt v. Chr.) oder späthellenistisch (1. Jhdt. v. – 1. Jhdt. n. Chr.) Schwere Bronzefigur mit dicker Wandung, die im Wachsausschmelz verfahren hergestellt worden ist, vermutlichmit Tonkern im Inneren. Stil und Technik sprechen ganz klar für eine Entstehung in der klassischen Antike. Die ungewöhnliche Bronzeplastik besticht durch zwei Eigen- schaften: zum einen die für eine bronzene Vogelplastik der klassischen Antike ungewöhnlicheGröße, die so nur extrem selten zu finden ist, zum anderen zeichnet sich die Oberfläche durch eine besonders feine und naturalistische Darstellung des Gefieders aus. Der Vogel steht ruhig mit eng angelegten Flügeln und aufrecht gehaltenem Kopf mit leichter Linksdrehung. Unter den Flügeln ragen die leicht nach unten gerichteten Schwanzfedern hervor. Unter den befiederten Hosen sind noch die An- sätze des mit Hornschuppen bedecktenMittelfußknochens (Tarsometa tarsus) erhalten. Zehen und Krallen sind verloren. Die Muskulatur des
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