Kunst und Antiquitäten - Antiken, Asiatika und Russische Kunst

59 Bronzeurne mit kalligraphisch ausgefeiltem, tiefsinnigem Epigramm, römisch, 1. - 2. Jhdt. Urne von außergewöhnlich schöner Form­ gebung. Der konische Fuß am Rand zu einer Wulst umgebördelt und nach der engsten Stel- le sich trichterförmig etwas erweiternd. Mit dieser schmalen Basis ist der eiförmige Kor- pus der Urne verlötet. Oberhalb der Schulter eine Hohlkehle, darüber die nach außen ge- wölbte Randlippe, die nach innen zur Aufnah- me des Deckels abgesetzt ist. Am Übergang von Bauch zu Schulter sind gegenüberliegend zwei horizontal angeordnete Henkel mit Atta- schen in Form von durchbrochenen Palmetten aufgelötet. Die Henkel elegant nach oben ge- schwungen und mittig durch drei vertikale Wülste, seitlich durch drei horizontale Keh- lungen profiliert. Auf Höhe der Unterkante der Henkel ringsum zwei Drehrillen verlau- fend. Der Deckel auf der Oberseite von außen nach innen gegliedert durch eine breiteWulst, eine Hohlkehle und eine leichte zentrale Wöl- bung, deren Höhe durch drei konzentrische, tief eingedrehte Kreise markiert ist. In der Mitte eine senkrecht stehende, rechteckige Griffplatte, die durch einen runden Stift mit einer Scheibe unter demDeckel verbunden ist. Mit dieser Vorrichtung kann ein seitlich der Griffplatte vorhandenes Loch geöffnet oder verschlossen werden. Die Totenspeisung war integraler Bestandteil der antiken Erinnerungskultur; bei Gedenk- feiern wurde der Tote als präsent gedacht und erlebt und nahm bei einem Totenmahl durch Speise- oder Getränkeopfer symbolisch an der Zeremonie der Lebenden teil. Der Verschluss- mechanismus könnte so gedeutet werden, dass er die unmittelbare Versorgung des Toten mit diesen Gaben gewährleisten konnte. 106 |

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