Aus Burgen und Schlössern - Ausgesuchte Kunst und Kunsthandwerk von der Antike bis ins 20. Jhdt.

96 | 31 Gotischer Feldharnisch, süddeutsch, teils Innsbruck, um 1480 - 1500 Gotische Schaller mit schwerer, einteilig geschlagener Kalot­ te. Flacher Kamm mit dreifacher Lochung für die Helmzier. Umlaufend kräftige Futternieten mit Spiraldekor. Auf­ schlächtiges Visier mit gefederter Sperre, seitlich je dreipassi­ ge Durchbrüche. Geschobener Nackenschirm, der untere Helmrand nach außen gebördelt. Der Nackenschirm eine spätere Ergänzung, Visier eventuell nicht ursprünglich zuge­ hörig. Hervorragend ergänzter Bart im Innsbrucker Stil mit leicht gegrateter Platte und abschlächtig geschobenem Ge­ sichtsschutz mit gebördeltem Rand. Kräftig gegratete Brust­ platte mit beweglich geschobenen Armeinsätzen (der linke ergänzt). Verschraubter klappbarer Rüsthaken. Drei Bauch­ reifenmit kurzen, dreifach geschobenen Tassetten. Unterhalb des Halsausschnittes geschlagene Kleeblattmarke der Inns­ brucker Familie Treytz. Die Brustplattemodern nachbearbei­ tet, die V-Linie am oberen Rand wohl nachträglich hinzuge­ fügt, Ränder teils beschnitten. Zwei Bauchreifen und die Tassetten in Museumsqualität ergänzt. Zweifach geschobene Rückenplatte mit kräftiger V-förmiger Flutung und ge­ schweiftenRändern. AmoberenRand geschlageneKleeblatt­ marke. Das mittlere Geschübe der Rückenplatte und die drei Gesäßreifen gut ergänzt. Armzeug mit kleinen, sechsfach geschobenen Schultern, auf den untersten Geschüben je drei Zierrippen. Gut ergänzte Schwebescheiben. HalboffeneMeu­ seln mit kupfergefütterten Schnürlöchern. Eine Meusel stark restauriert, die zweite möglicherweise eine Ergänzung des 19. Jhdts. Hentzenmit langen, gegrateten Stulpen. Die Geschübe des Handrückens und der Fingerschutz unter Verwendung einiger alter Teile zusammengestellt und ergänzt. Volles Bein­ zeug mit gefluteten Oberdiechlingen. Die Oberdiechlinge unter Verwendung einiger alter Teile umgearbeitet und rekon­ struiert. Die originalen Seitenplatten jeweils mit geschlagener Kleeblattmarke. Fünffach geschobeneKniebuckel, dieUnter­ diechlinge wohl eine Arbeit des 19. Jhdts. Originale, spitz zu­ laufende Panzerschuhe, auf dem vorderstenGeschübe jeweils zweifach gemarkt. Die Fersenbleche gut ergänzt. Dabei ein hochwertiges, deutsches Kettenhemd des 15. Jhdts. mit halblangen Armen auf flachen, sauber vernieteten Rin­ gen. Der Kragen später hinzugefügt. Auf maßgefertigter Pup­ pe montiert. Höhe 171 cm. Die auf Brust, Rücken und Teilen des Beinzeugs geschlagenen Kleeblattmarkenwurden von der Innsbrucker Plattnerfamilie Treytz verwendet, sie sind vermutlich Jörg Treytz, tätig um 1485, zuzuschreiben. Vergleichbare Arbeiten von ihm haben sich in der Sammlung der Grafen von Matsch auf der Chur­ burg erhalten. Bei den Marken auf den Schuhen handelt es sich vermutlich umdie Plattnermarken des Konrad Polers, der um1492 - 1500 in Nürnberg tätig war. Provenienz: Sammlung Klingbeil, Berlin. Versteigert bei Hermann Historica, München, 14. Oktober 2012, Los 67. Da­ maliger Zuschlagspreis 73.000 Euro.

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