Kunst & Kunsthandwerk, Antiken

98 | 1691 Eiserner Faltstuhl für einen Feldherrn (sella castrensis), römisch, 2. - 6. Jhdt. Mit Bronze-/Messingeinlagen reich dekorier- ter Klappstuhl, der aus zwei Faltrahmen ge- bildet wird. Die Standseiten eines jeden Rah- mens und die oberen Ecken besitzen ein rechteckiges Profil, ansonsten sind die Seiten im Querschnitt rund und im Bereich des Scharniers leicht verdickt. An der Oberseite je fünf Ringhalterungen für eine durchlau- fende, vierkantige Eisenstange zur Befesti- gung der (ergänzten, ledernen) Sitzfläche. Auf den Außenseiten (mit Ausnahme der Standseiten) Reste der eingelegten Messing- Ziertauschierung mit Wellenbändern, Fisch- grätenmustern und Spiralen. Intakt mit Ge- brauchs- und Korrosionsspuren. Sehr gute Eisensubstanz. Maße der Rahmenelemente 40 x 63 cm. Sitzhöhe 48 cm. Auf einem augusteischen Silberbecher aus Boscoreale und auf einem Relief des Kons- tantinbogens sind vergleichbare Klappstühle als Sitzgelegenheit des Kaisers und Feldherrn abgebildet, weshalb man diesen Typus auch als sella castrensis bezeichnet. Am Legions­ standort Carnuntum liegt eine Zuweisung an das Militär nahe, doch sind Klappstühle auch aus zivilen Siedlungskontexten und aus spät­ antiken Gräbern von Angehörigen der Ober­ schicht römischer Föderaten bekannt ge­ worden. Vgl. zu einem ähnlichen Stuhl im Grazer Landesmuseum Joanneum den Auf- satz von Susanne Stöckl, Ein eiserner Klapp- stuhl der Völkerwanderungszeit im Landesmuseum Joanneum, Schild von Steier 20, 2007, S. 27 - 42. Provenienz: Bei Carnuntum/Bad Deutsch- Altenburg in der 1. Hälfte des 20. Jhdts. im Zuge von Feldarbeiten durch einen lokalen Bauern gefunden. Vom Finder an den örtli- chen Pfarrer weitergegeben. Von diesem im Winter 1959/60 an den Großvater des Einliefe- rers verschenkt, als dieser die lokale Orgel re- parierte. Seitdem in Familienbesitz.

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