Los 50

Silberner Kandelaber augusteischer Zeitstellung, 1. Jahrzehnt v. Chr. - 1. Jahrzehnt n. Chr.

Kunst und Antiquitäten - Antiken, Asiatika und Russische Kunst | A92kua | Präsenzauktion | 888 Lose

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Beschreibung

Mehrteiliger Kandelaber von außergewöhnlicher Qualität und äußerster Seltenheit. Aus folgenden Einzelteilen zusammengesteckt und zerlegbar: 1) Massiv gegossener Fuß mit Blechappliken. 2) Unterer Säulenschaft aus Silberblech. 3) Oberer Säulenschaft mit Kapitell aus Silberblech. 4) Aufsatz aus Silberblech in Form eines Pokals mit Standfläche für eine Öllampe. 5) Loser Stift zur Fixierung. Der Fuß verleiht dem Kandelaber mit den hohl gearbeiteten Oberteilen Stabilität. Drei massiv gegossene Raubkatzenpranken sind zur Mitte hin zusammengeführt und an einer zentralen, zylindrischen Röhre aus kräftigem Silberblech befestigt. Die künstlerische Qualität der naturalistisch geformten Pranken ist außerordentlich und bildet die anatomischen Einzelheiten bis ins kleinste Detail präzise ab. Die Ballen unter den Zehen, die Krallen und die Sehnen auf der Oberfläche der Pranken sind minutiös ausgearbeitet und an der Oberfläche fein und nuancenreich modelliert. Das Fell ist liebevoll und in äußerst gleichmäßigen, geringen Abständen durch Strichpunzen dargestellt. Die auf diese Art gestalteten Pranken und die dynamische Biegung der Läufe oberhalb davon erwecken die Assoziation einer vor Kraft strotzenden und zum Sprung bereiten Großkatze. Zur Mitte hin sind die Läufe oben und unten durch gleichfalls äußerst naturalistisch gestaltete Blätter mit fein nuancierter Binnenstruktur abgedeckt. Die Spitzen der oberen Blätter nach innen hin zurückgebogen. In den Zwischenräumen zwischen den Füßen drei wohlgeformte Blechpalmetten mit Durchbruchsarbeit. Direkt unterhalb der Mündung des zentralen Blechzylinders eine Manschette mit rundum verlaufendem Blattdekor. Manschette, Innenseite der Blätter und Palmetten vergoldet. Der zentrale Blechzylinder unten mit einer am Rand profilierten Kappe abgedeckt, auf deren Unterseite ein kräftig eingeritzter Namenszug im Nominativ: VITVS OPTIMVS. Gegenüberliegend einige schwächere Ritzungen, die möglicherweise als Gewichtsangaben zu deuten sind. Breite von Fuß zu Fuß ca. 29 cm. Gewicht 2,22 kg. Das zweite Teil ist eine präzise geformte Säule mit spiralig verlaufenden Kanneluren, die kurz vor dem glatten, oberen Rand durch Ritzlinien begrenzt sind. Im oberen Rand zwei Löcher zur Fixierung des folgenden Aufsatzes mit einem Stift. Dieser Stift ist mit einer Silberkette an einer blattförmigen Attasche befestigt, die auf dem Korpus der Säule festgelötet ist. Eine senkrecht verlaufende Naht lässt erkennen, wo das zur Röhre bzw. zum Säulenschaft gebogene Silberblech verschweißt worden ist. Der untere Rand gleichfalls glatt. Von den Kanneluren durch einen feinen Absatz getrennt. Dort wiederum zwei Löcher, deren Lage mit den oberen korrespondiert. Unten eine weitere Blechröhre eingesetzt und verlötet, die beim Zusammenstecken mit dem Fuß vollständig verschwindet, aber die Stabilität der eingesteckten Säule garantiert. Im Rand der Manschette unterhalb der Mündung des Blechzylinders im Fuß gleichfalls zwei Löcher, durch die ein Stift durch Säuleneinsatz und Blechzylinder im Fuß geführt werden kann und zusätzliche Stabilität verleiht. Höhe des unteren Säulenschaftes 38,7 cm. Gewicht 316 g. Der obere Säulenschaft unten ähnlich konstruiert wie der untere. Oberhalb der zwei Löcher zur Fixierung mit dem unteren Säulenschaft zusätzlich eine profilierte, vergoldete Manschette. Die Säule selbst diesmal mit senkrechten Kanneluren versehen. Oben wieder durch eine gleichartige Manschette abgeschlossen und darüber mit einem in allen Details fein ausgearbeiteten und wohl proportionierten korinthischen Kapitell abgeschlossen, das gleichfalls aus getriebenen Blechteilen zusammengefügt worden ist. Oben eine rechteckige Platte mit leicht eingezogenen Seiten, in deren Mitte ein schmaler Blechzylinder mit zwei Löchern steckt, der zur Aufnahme und Fixierung des letzten Teils dient, dem "Pokal" mit Standfläche für die Öllampe. Höhe dieses Segments 66,5 cm. Gewicht 650 g. Der Pokal unten mit einem Stiel, der in eine am Rand profilierte Standfläche übergeht. Die Unterseite durch ein Blech mit zentralem Loch abgedeckt, durch das der Blechzylinder auf dem korinthischen Kapitell gesteckt werden kann. Im Stiel zwei Löcher zur Sicherung des Pokals mit einem Stift. Der Körper des Pokals in zwei Zierzonen eingeteilt. Unten vertikal verlaufende, gewölbte und am Rand markant ziselierte Zungen. Darüber ein vergoldeter Fries mit einer Wellenranke. In den Wellentälern und -bergen Blüten an abzweigenden Ranken. In den Zwischenräumen füllen feinere Ranken und Blätter die Felder. Die Standfläche mit einer tellerartigen Vertiefung. Der Boden durch Drehrillen in Zonen gegliedert, deren äußerste mit floralem Ritzdekor und Kreispunzen am äußeren Rand verziert ist. Der breite horizontale Rand durch zwei kräftige Perlkreise begrenzt, in der vergoldeten Bahn dazwischen wieder eine Wellenranke mit Blättern und Blüten. Auf der vertikal nach unten überhängenden Randlippe ein lesbisches Kymation. Höhe 14,1 cm. Durchmesser 15,7 cm. Gewicht 389 g. Die Wellenranken auf dem Rand und der oberen Zierzone des "Gefäßkörpers" haben exakte Entsprechungen in Kunstwerken des augusteischen Zeitalters, wie der Ara Pacis in Rom, oder anderem Silbergeschirr gleicher Zeitstellung, etwa dem Hildesheimer Schatzfund oder dem Depot von Boscoreale. Es besteht kein Zweifel, dass der Kandelaber als ein raffiniert konstruiertes und künstlerisch repräsentatives Meisterwerk der augusteischen Klassik angesehen werden darf. Vergleichbare Kandelaberformen aus Bronze, wenngleich nicht so vollkommen und nicht in diesem Maße zerlegbar, stammen aus Pompeji. Die Grundidee eines zerlegbaren Kandelabers mit ähnlichem Pokal und einem Kapitell findet sich noch Mitte des 4. Jhdts. im Schatzfund von Kaiseraugst, dort aber eindeutig mit Verzierungselementen der Spätantike. Die Höhe des zusammengesteckten Kandelabers beträgt 114,5 cm. Das Gesamtgewicht beträgt 3,581 kg. Von ursprünglich zwei losen, nicht befestigten Stiften zur abschließenden Sicherung der fixierten Einzelteile nur einer erhalten. Ein Analyse der Legierung aufgrund dreier Materialproben durch das Labor Sensotec kommt zu dem Ergebnis, dass die Zusammensetzung der Legierung zu den bekannten und dokumentierten Werten gleichzeitiger Silberobjekte passt. Ein spektakuläres Objekt vollkommenen römischen Kunsthandwerks mit dunkler, mitunter leicht fleckiger Patina und vereinzelten zarten Inkrustationen. Abgesehen von einer geringfügigen Delle im oberen Säulenschaft und leichten Abnutzungen der Vergoldung in nahezu perfekter Erhaltung.

Provenienz: Süddeutsche Privatsammlung, erworben aus deutscher Sammlung, dort seit den 70er Jahren in Familienbesitz.

Zustand: I Fragen zum Los?

Allgemeine Informationen

Die Auktion startet am Montag, den 16. Mai 2022 um 10:00 Uhr (Los-Nr. 1 - 891). Die Vorbesichtigung findet vom 9. - 14.05.2022 in unseren Auktionsräumen am Bretonischen Ring 3 in 85630 Grasbrunn / München von jeweils 11 bis 17 Uhr (MEZ) statt.